In seiner Rede betonte der Geschäftsführer Thomas Wagner, dass die duale Ausbildung vor allem durch die gesellschaftliche Anerkennung zukunftsfähig ist. Hierzu muss der Stellenwert der dualen Ausbildung stärker hervorgehoben werden, damit sie in der Öffentlichkeit auch so wieder wahrgenommen wird. Wagner verwies darauf, dass hoch qualifizierte Fachkräfte einer der Motoren der Deutschen Wirtschaft sind und diese nach wie vor als gängiges Gütesiegel in unserem Land angesehen werden – sowohl in der Industrie, dem Handel und im Handwerk.
Zukunftsorientiert stellte er fest, dass 3.594 junge Menschen in diesem Jahr zum Ausbildungsstart eine Lehre in einem Handwerksunternehmen in der Region Stuttgart begonnen und sich somit für einen Karriereweg mit Perspektive entschieden haben. Im Vergleich zum Vorjahr liegt das Plus an den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen damit bei 3,7 Prozent. Sehr beliebt sind Klima- und Mobilitätsberufe, einen großen Zuwachs verzeichnet außerdem das Friseurhandwerk, das im Zuge der Pandemie stark gelitten hatte. Sorgen bereitet dagegen die Entwicklung in vielen Bau- und Ausbaugewerken sowie bei den Lebensmittelberufen. Hier hat das regionale Handwerk noch massiv Luft nach oben. Erneut auf einem hohen Niveau ist mit 17,8 Prozent der Anteil der Lehrlinge mit Abitur oder Fachhochschulreife. Und - auch bei jungen Frauen wird das Handwerk mit einem Anteil von 20,7% der Lehrlinge wieder beliebter.
Steigende Ausbildungszahlen sind kein Selbstläufer
Kreishandwerksmeister Wolfgang Gastel betonte am Festabend, dass die duale Ausbildung in Deutschland stark durch Kleinbetriebe geprägt ist, die jedoch in der Bürokratie immer mehr versinken. Dies wirke sich nicht nur auf die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen aus, sondern auch auf die Bereitschaft Unternehmen zu gründen oder zu übernehmen. Wer beim Schritt in die Selbstständigkeit im Papierkram versinkt, überlegt es sich zweimal. Umfragen im Handwerk zeigen, dass die Bürokratie mittlerweile der Hauptgrund ist, sich nicht mehr selbstständig machen zu wollen.
Der Appell an die Politik
Es bedarf dringlich der Schaffung von Anreizen und Erleichterungen. Hierunter versteht sich nach Aussage von Gastel der seit Jahren versprochene Bürokratieabbau. Davon sei man aber meilenweit entfernt, denn beim Blick in die Glaskugel türmen sich bereits jetzt neue Bürokratiemonster auf.
Tradition und Moderne
Vor dem Zeremoniell des Gesellenumtrunks erklärte der Kreishandwerksmeister den Junggesellen:innen, dass die heutige Freisprechung traditionell die offizielle Beendigung ihrer Ausbildung bedeutet. Aus dieser Tradition heraus nun mehr finanzielle Anrechte bestehen, sich daraus aber auch mehr Pflichten ergeben, die Verantwortungsübernahme zunimmt und man in die Vorbildrolle als Wissensvermittler bei den neuen Auszubildenden rutscht.
Anerkennung für ausgezeichnete Ausbilder
Bei der Lehrabschlussfeier erfolgte auch die jährliche Vergabe des Ausbilderpreises der Handwerkskammer. Sechs Handwerksbetriebe aus der Region Stuttgart wurden im Jahr 2023 für ihr besonders hohes Engagement im Bereich der beruflichen Ausbildung geehrt und mit einem Smart belohnt. Unter den Gewinnern des Ausbildungspreises ist mit der Metzgerei Bosch aus Herrenberg auch ein Unternehmen aus dem Landkreis Böblingen. Die Ehrung und Preisübergabe erfolgte durch den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer der Region Stuttgart – Herrn Peter Friedrich.
Stipendiaten der Sommerprüfungen:
1. Preis: Enrico Rocca, Holzgerlingen – Stipendium der KSK Böblingen; 2.Preis: Jakob Krannich, Weil- der-Stadt – Stipendium der Buhlstiftung; 3.Preis: Edward Theodor Zweigardt, Böblingen – Stipendium der Bezirksvereinigung der Volks- und Raiffeisenbanken.
Preisträger der Sommerprüfungen:
Bäckerhandwerk: Max Baier, Herrenberg; Fachverkauf-Lebensmittelhandwerk: Melih Kilinc, Gäufelden; Bauhandwerk: Wendelin Bernt, Rutesheim; Elektrohandwerk: Jakob Krannich, Weil-der-Stadt; Moritz Mohrlok, Weil-im-Schönbuch; Enrico Rocca, Holzgerlingen; Josua Schöpflin, Altdorf; Leon Schuster, Böblingen; Dino Velic, Ostfildern; Edward Theodor Zweigardt, Böblingen; Friseurhandwerk: Albert Andraku, Sindelfingen; Leonie Werner, Calw; Schreinerhandwerk: Benjamin Greß, Deckenpfronn; Steffen Heiner, Holzgerlingen; Simon Kreisl, Holzgerlingen; Martin Molfenter, Renningen; Anlagenmechanikerhandwerk: Daniel Borger, Weil-der-Stadt; Timo Böss, Bondorf; Remo Brockmeier, Weissach; Marc Hauser, Nufringen; Robert Jarmer, Magstadt; Salvatore Manciaracina, Sindelfingen; Duy Trong Nguyen, Leonberg; Sören Olf, Weil-der-Stadt; Jona Schweizer, Steinenbronn; Zimmerhandwerk: Noah Bernschneider, Böblingen; Julius Hottmann, Leonberg; Jonah König, Holzgerlingen; Phillip Toth, Weil-im-Schönbuch; Tech. Modellbauerhandwerk: Marc-Alexander Voigt, Markgröningen; Kristian Kunkel, Leonberg; Kauffrau für Büromanagement: Vivien Denise Müller, Waldenbuch; Aylin Hekim, Holzgerlingen.


