"Maßnahmen grenzen an Willkür"

Thomas Wagner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Böblingen, ist wegen einiger Corona-Entscheidungen und dem vorgezogenen Alleingang der Landesregierung Baden-Württemberg aktuell nicht gut auf die Politik zu sprechen. Deshalb verschaffte sich der Magstadter in einem Schreiben an die politischen Entscheidungsträger Luft.

"Mir fehlt einfach die Verhältnismäßigkeit bei manchen Corona-Beschränkungen. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, die politischen Entscheidungsträger zu kontaktieren", sagt Thomas Wagner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Böblingen.

So prangert der Magstadter unter anderem an, dass die Wirtschaftsvertreter bei den Entscheidungen zur Eindämmung des Coronavirus zu wenig Gehör finden: "In Einkaufsmärkten rennt man nach wie vor teilweise dicht gedrängt umher, während man in Ausstellungshallen der KFZ-Branche mit der gleichen Fläche den nächsten Kunden sinngemäß nur mit einem Feldstecher ausfindig machen kann und inzidenzabhängig schließen muss." Dies wären völlig paradoxe Ausarbeitungen von Maßnahmen bei der Pandemiebewältigung - vor allem mit der heutigen Erkenntnis der Aerosolforschung. "Warum werden seit Monaten keine Individualkonzepte ausgearbeitet, sondern zu viele Pauschalmaßnahmen beschlossen?", fragt sich Thomas Wagner.

Im Einkaufsmarkt dürfe der Bürger - laut aktuellen Statistiken der Aerosolforschung - mit einer Ansteckungsrate von Faktor 1,0 unter Einhaltung der AHA-Regeln einkaufen. Dort finden oftmals noch nicht einmal Zugangskontrollen statt. Beim Friseur hingegen müsse der Kunde in Baden-Württemberg bereits seit Montag, wo die Ansteckungsrate nur bei einem Wert von 0,6 Personen liegt, einen maximal 24 Stunden alten Schnelltest von akkreditierter Stelle vorweisen, um bedient werden zu dürfen. Selbst wenn nach den Vorgaben Geimpfte und ehemals per PCR-Test bestätigte Erkrankte die genesen sind und dies nachweisen können kein Testergebnis vorlegen müssen – hilft das der Branche der Friseurdienstleistungen nur wenig. "Die neuen Regelungen haben massive Terminabsagen bewirkt - teilweise bis zu 90 Prozent – und genau genommen befindet man sich indirekt bei den Friseuren wiederum im Lockdown“, verdeutlicht Thomas Wagner.

So werde die Schwarzarbeit abermals gefördert und wer glaube, dass im privaten Kämmerlein die Hygiene- und Schnelltest-Maßnahmen regelkonform eingehalten würden, unterliege einem massiven Irrglauben. Andere körpernahe Dienstleistungen (Kosmetik) dürften bei gleichen Hygienemaßnahmen gar nicht mehr öffnen, obwohl das Risiko äußerst niedrig sein dürfte, dass sich das Ansteckungsrisiko allein durch die Änderung der „Berufsbezeichnung“ ändern werde. "Es ist ein Absurdum, was aktuell umgesetzt werden soll - vor allem wenn die allseits bekannten Stockfehler der Verantwortlichen in Teilen so gravierend sind. Solche Maßnahmen grenzen an Willkür, bringt Thomas Wagner seine Kritik auf den Punkt.